Notiz 1: Es geht mir um Orientierung

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Jäger und Sammler / Roland Barthes / Notizen in verschiedenen Medien festhalten und redigieren / Chaos der Welt / Vielfalt / Struktur / Identität

Orientierung in einer lauten, chaotischen Welt, in der unendlichen Vielfalt des Lebendigen

Es gibt so viele Menschen, Kulturen, Subkulturen, Rollen, Beziehungen

Es gibt so viele Perspektiven auf diese ganze Vielfalt, z. B. Semiotik, Hirnforschung, Ethnologie, Soziologie, Biologie, Kunst, die individuelle, alltägliche Perspektive jedes Einzelnen und alles überschneidet sich und steht in Beziehung zueinander. Das Netzwerk der Vielfalten steigert sich in Unendlichkeit.

Es gibt so viele Methoden, die Welt zu erfahren, erfassen und ihr Ausdruck zu verleihen: Skizzieren, Zeichnen, Schreiben, audiovisuelles Aufzeichnen, Zeichensysteme, Bewegung, Nachahmung, jegliche Form des Handelns.

Ich glaube an die Vielfalt des Lebens. Aber sie ist nur zu ertragen durch Identität, die immer strukturiertes Subjekt ist. Identität setzt Priorität voraus. Wie aber soll man als Liebender der Vielfalt Prioritäten setzen, ohne die Vielfalt zu verraten?

Ich kenne das Auseinanderfallen meiner selbst nur zu gut. Ich weiß, wie es sich anfühlt, sich im Rauschen der Welt aufzulösen und niemand mehr zu sein. Es ist ein schreckliches Gefühl.

Das Ich aus heutiger Sicht ist eine Illusion. Es gibt keine Seele, keinen Geist, keine Psyche unabhängig vom Körper und der materiellen Natur. Was nicht heißen soll, dass es kein Prinzip gibt, das die Materie “belebt” und somit in allem zu finden sein muss. Oder dass die Materie und das Prinzip Lebendigkeit ein und dieselbe Sache sind. Das Ich ist eine von Lebendigkeit strukturierte Form von Lebendigkeit. Das Ich sollte sich optimalerweise als wirkungsmächtige Einheit wahrnehmen, die nach Sinn und Erfüllung strebt. Als solche ist es ihr ganz gleich, dass sie (die Einheit) eine Illusion ist. Solange sie von Sinn erfüllt ist, fühlt sie sich ewig. Dann ist sie im Stande, alle Lebendigkeit in einem Ich zu verwirklichen.

Identität ist die Ideologie, die dem Ich Sinn verleiht, nein, Identität ist Sinn. Aber Identität und Sinn sind nicht notwendigerweise lebendig. Lebendig ist nur, was seine Natur nicht verleugnet. Daher kann man sich als Ich mit Identität wahrnehmen, was jedoch noch lange nicht heißt, dass man auch lebendig ist. Die Frage ist nur: Warum sollte das Prinzip der Lebendigkeit ein Ich zulassen, welches sich selbst betrügt? Warum lässt das Prinzip der Lebendigkeit Leid zu? Ich meine das nicht vorwurfsvoll, sondern interessiert. Warum ist es möglich, dass fühlende Wesen Qualen leiden, manchmal scheinbar unendliche Qualen?

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Writing to Give Shape to Our Lives — BREVITY’s Nonfiction Blog

This short article sums up in a great way what I myself have been trying for years now: to collage all these scattered bits and pieces of memory and identity and create your own story out of them. A story that makes sense. One that is uniquely yours. One that has the power to heal old wounds. Read it! Inspiring and reassuring.


By Nancy Slavin “I write because writing helps bring life into clearer focus and give shape to what I might otherwise experience as disconnected shards.” – Joyce Thomas I read the Joyce Thomas quote above in a 2011 issue of Poets & Writers and practically hummed out loud in my attraction to it. The urge […]

über Writing to Give Shape to Our Lives — BREVITY’s Nonfiction Blog

Update: 3 Bücher, 60 Tage

Was das Lesen angeht, so bin ich im Zeitplan. 30 Seiten pro Tag, das ist ein gutes Tempo. Was allerdings das Schreiben über das Gelesene angeht, merke ich jetzt, dass ich nicht so schnell hinterherkomme, wie ich mir das ausgemalt habe. Daher muss ich meinen Leseplan jetzt anpassen. Wenn ich Yoval Noah Hararis Eine kurze Geschichte der Menschheit also Mitte April fertig gelesen haben, werde ich mich erst einmal darauf konzentrieren, meine Zusammenfassung dazu fertig zu schreiben, was vermutlich zwei zusätzliche Wochen in Anspruch nehmen wird. Ich möchte eben nicht zu hastig vorgehen und noch über das eine Buch schreiben, während ich schon das nächste lese.

Trotzdem möchte ich die Auswahl und Reihenfolge der nächsten beiden Bücher beibehalten:

  • Frankopan, Peter (2016): Licht aus dem Osten. Eine neue Geschichte der Welt. Berlin: Rowohlt.
  • Bellaigue, Christopher de (2018): Die islamische Aufklärung. Der Konflikt zwischen Glaube und Vernunft. Frankfurt am Main: Fischer.

Anhand dieser Auswahl will ich lernen, Lesen und Schreiben aufeinander abzustimmen und beides näher beieinander zu halten.

Die kognitive Revolution 3

Menschwerdung

Im Vergleich zu anderen Säugetieren hatten schon die ersten Menschen vor 2,5 Millionen Jahren ein riesiges Gehirn, auch wenn das ihre noch nicht so groß war wie das Gehirn eines modernen Menschen. Doch ein solches Gehirn verbraucht auch riesige Mengen an Energie, beim Homo sapiens sind es 25 Prozent der Körperenergie. In der Folge mussten unsere Vorfahren mehr Nahrung zu sich nehmen (die sie wiederum erst einmal finden oder jagen mussten) und ihre Muskeln bildeten sich zurück, quasi als Energiesparmaßnahme. Wozu bloß der ganze Aufwand?

Eine Reihe weiterer biologischer Veränderungen charakterisiert die frühe Menschwerdung: Dank des aufrechten Gangs konnten unsere Urahnen in der Savanne besser den Überblick über Futter und Feinde behalten. Dadurch wurden die Hände frei, die sich in der Folge zu feinfühligen Gehilfen für unterschiedlichste Tätigkeiten entwickelten. Die Kehrseite war, dass der schwere Kopf zu Nacken- und Rückenschmerzen führen konnte, während der aufrechte Gang für die Frauen den Nachteil hatte, dass sich ihre Hüfte und damit der Geburtskanal verschmälerte und sie einem viel höheren Risiko als zuvor ausgesetzt waren, die Geburt ihrer Kinder nicht zu überleben. Der biologische Ausleseprozess sorgte dafür, dass Kinder immer früher geboren wurden, wenn sie noch kleiner waren und das Leben ihrer Mutter weniger akut bei der Geburt gefährdeten. Schafften sie es lebend auf die Welt, waren sie jedoch erst einmal völlig hilflos und über Jahre auf die Fürsorge der Eltern angewiesen. Auch hier unterscheidet sich der Mensch von anderen Säugetieren, deren Nachwuchs schnell auf eigenen Beinen steht – im wahrsten Sinne des Wortes. Für das langwierige Aufziehen eines Menschenkindes braucht es konstante Fürsorge und Aufmerksamkeit. Zeit, die fehlt, um Nahrung zu beschaffen. Die Evolution hat schließlich diejenigen Menschen bevorzugt, die die Fähigkeit hatten, starke soziale Beziehungen zu pflegen und sich gegenseitig auch um ihren Nachwuchs kümmerten. Noch heute lautet ein afrikanisches Sprichwort: “Um ein Kind aufzuziehen braucht man ein ganzes Dorf.” Trotz dieser außergewöhnlichen anatomischen und geistigen Entwicklung vor 2,5 Millionen Jahren, passierte die nächsten 2 Millionen Jahre erst einmal wenig Spektakuläres. Die Urmenschen waren mit ihren aufrechteren, schlankeren und schlaueren Körpern zwar überlebensfähig, sie blieben jedoch eine Tierart neben anderen Tierarten. Ihre Zahl zwischen Westeuropa und Südostasien (weiter hatten sie sich ja nicht ausgebreitet) wird während dieses Zeitraums auf ca. eine Million geschätzt. Sie füllten wohl eine ökologische Nische, jagten selten große Tiere und ernährten sich hauptsächlich von Pflanzen, Kleintieren und zurückgelassenem Aas. Einige Wissenschaftler meinen, die frühen Menschen hätten sich darauf spezialisiert, das letzte, was vom Aas übrig ist, nämlich die Knochen, aufzuknacken und das Knochenmark herauszukratzen. Erst vor 400.000 Jahren begannen Menschen, regelmäßig größere Beutetiere zu jagen. Und erst vor ca. 100.000 Jahren, als Homo sapiens, setzten sie sich an die Spitze der Nahrungskette. Dies geschah im Vergleich zur Evolution anderer Raubtiere, die sich über Jahrmillionen Kopf an Kopf mit ihren jeweiligen Beutetieren entwickelten und es den Ökosystemen ermöglichten, in einem Gleichgewichtszustand zu bleiben, urplötzlich. Hier beginnt das unausgewogene Verhältnis zwischen Mensch und Natur, das uns heute so große Probleme beschert. Den meisten Menschen ist wohl nicht bewusst, dass der Homo sapiens nicht erst seit der Industrialisierung die Lebensgrundlage zahlloser Arten und die Vielfalt der Ökosysteme zerstört, sondern dies von Anfang an der unerfreuliche Nebeneffekt seines beispiellosen und rasanten Aufstiegs war. Dazu gleich mehr.

Die Bändigung des Feuers trug entscheidend dazu bei, den Menschen an die Spitze der Nahrungskette zu befördern. Die genaueren Umstände sind unbekannt, doch scheint zumindest klar zu sein, dass das Feuer vor 300.000 Jahren fest zum Alltag vieler Menschen gehörte. Es bot nicht nur Schutz vor Raubtieren, sondern diente auch als Wärmequelle. Erste Brandrodungen wurden damit unternommen. Kochen wurde möglich, womit sich nicht nur die Auswahl genießbarer Pflanzen enorm erweiterte, sondern die Nahrung grundsätzlich leichter zu verdauen war. Hierzu ein spannendes Zitat Hararis: “Dank dieser Erfindung konnten die Menschen eine größere Bandbreite von Nahrungsmitteln zu sich nehmen, sie sparten Zeit beim Essen und kamen mit kleineren Zähnen und kürzeren Därmen aus. Einige Wissenschaftler sehen einen direkten Zusammenhang zwischen der Entdeckung des Kochens, der Verkürzung des Darms und dem Wachstum des Gehirns. Da lange Därme genauso große Energiefresser sind wie große Gehirne, ist es kaum möglich, beide gleichzeitig zu unterhalten. Weil das Kochen jedoch eine Verkürzung des Verdauungstrakts und damit Energieeinsparungen ermöglichte, bereitete es ganz nebenbei den gewaltigen Gehirnen des Neandertalers und des Homo sapiens den Boden.” Die Bändigung des Feuers erschloss dem Menschen ein Werkzeug in Form einer Kraftquelle, die ihn von der restlichen Tierwelt deutlich abhob. Harari spricht vom “erste[n] Schritt auf dem Weg zur Atombombe”.

 

Quelle:
Harari, Yuval Noah (2015): Eine kurze Geschichte der Menschheit. München: Pantheon.

Die kognitive Revolution 2

Verschiedene Menschenarten

Die Gattung Homo, die alle Menschenarten umfasst, ging vor ca. 2,5 Mio. Jahren in Ostafrika aus der Affengattung Australopethicus hervor. Vor ungefähr 2 Mio. Jahren breiteten sich die Urmenschen nach Nordafrika und von dort nach Europa und Asien aus. Die Auswanderergruppen entwickelten sich evolutionär entsprechend des jeweiligen Klimas zu verschiedenen, ihrem Habitat angepassten Menschenarten, darunter der Neandertaler (Homo neanderthalensis) in Europa und Westasien, der Homo soloensis auf Java, der kleinwüchsige Homo floresiensis auf der im indonesischen Archipel liegenden Insel Flores, der Homo erectus in den Weiten Asiens und der erst 2010 entdeckte Homo denisova in Sibirien. Es lebten also zur selben Zeit verschiedene Menschenarten in jeweils unterschiedlichen Gegenden, die sich langsam im Laufe der Evolution und unabhängig voneinander ihrer jeweiligen Umwelt anpassten. Das Wissen um diese Arten und ihren Lebensraum geht allein auf Knochenfunde zurück. Mit jedem weiteren Fund ist die Entdeckung einer neuen Art oder einer bereits bekannten Art in einer unerwarteten Gegend möglich, die das Bild unserer Artgenossen weiter zurechtrückt. Wer weiß, was der Boden noch für Geheimnisse für die Zukunft birgt. Wenn im Folgenden von Menschen gesprochen wird, ist also immer die ganze Gattung Mensch mit all ihren Arten gemeint, nicht nur der Mensch, wie wir ihn heute kennen.

Währenddessen ging die Evolution auch in Ostafrika weiter ihren Gang und brachte neue Menschenarten hervor, z. B. den Homo rudolfensis und den Homo ergaster, bis dort vor ca. 150.000 Jahren (was für ein Zeitsprung!) die ersten anatomisch modernen Menschen lebten, Homo sapiens, wie wir sie bescheiden getauft haben, also Menschen, die körperlich nicht von uns zu unterscheiden gewesen wären.

Diese begannen vor 70.000 Jahren von Ostafrika aus erfolgreich ihre Migration, die sie bis in die Gegenwart den gesamten Planten bevölkern lassen sollte. Auf ihrem Siegeszug “eroberten” sie Gebiet um Gebiet: zunächst Nord- und Westafrika sowie den Nahen  und Mittleren Osten, vor 60.000 Jahren erreichten sie Ostasien, vor 45.000 Jahren dann Mitteleuropa und Australien, vor 16.000 Jahren kamen sie schließlich über Sibirien und die damals noch existente Landbrücke der heutigen Beringstraße nach Alaska, 2.000 Jahre später gehörte ihnen Nordamerika und weitere 2.000 Jahre darauf waren sie bis zur äußersten Südspitze Südamerikas vorgedrungen. Auf ihren Wanderungen mussten sie sich also von heute auf morgen an immer neue klimatische und geographische Verhältnisse anpassen, für die die biologische Evolution in der Vergangenheit Zehntausende bis Hunderttausende Jahre, wenn nicht Jahrmillionen gebraucht hatte. Hier stellt sich die Frage: Wie in aller Welt wurde dies vor 70.000 Jahren so plötzlich möglich? Warum genau zu diesem Zeitpunkt? Fest steht: Es muss etwas Einzigartiges in der Geschichte des Lebens auf der Erde geschehen sein, das es diesem Tier erlaubte, sich den Gesetzen der Evolution ein Stück weit zu entziehen und sich nach einem neuen, deutlich flexibleren Prinzip an seine unterschiedlichen Lebensbedingungen anzupassen. Neben diesem Aspekt des kognitiven Quantensprungs, der zur weitläufigen Migration des Homo sapiens führte, stellt sich noch die Frage nach den Auswirkungen seiner Ausbreitung. Denn wo er auftrat, bekam es seine Umwelt unwiederbringlich radikal zu spüren. Bevor es dazu kommen konnte, mussten jedoch erst einmal grundlegendere biologische Veränderungen den Boden bereiten. Ach ja, und: es war wohl letztendlich jede Menge Zufall mit im Spiel.

 

Quelle:
Harari, Yuval Noah (2015): Eine kurze Geschichte der Menschheit. München: Pantheon.

 

Die kognitive Revolution 1

Seit Montag lese ich Yuval Noah Hararis Sachbuch-Bestseller Eine kurze Geschichte der Menschheit. Darin beschreibt Harari den evolutionsbiologischen und kulturellen Entstehungs- und Entwicklungsprozess der Menschheit entlang dreier zentraler Revolutionen, der kognitiven (vor 70.000 – vor 30.000 Jahren), der landwirtschaftlichen (vor 12.000 Jahren) und der wissenschaftlichen (vor 500 Jahren), und zeigt auf, wie wir, der Homo sapiens, die Umwelt von Anfang an radikal beeinflusst haben.
Das Buch ist in vier Teile gegliedert, die sich als Rahmen für die Zusammenfassung meiner Leseerfahrung anbieten. Ich möchte hier komprimiert beschreiben, worum es geht, was ich aus dem Gelesenen ziehe, wie ich es erlebe und welche Fragen mir beim Lesen gekommen sind. Im Folgenden also meine Leseerfahrung zu Teil 1: Die kognitive Revolution (S. 11-98).

 

Die kognitive Revolution

 

Mein Hintergrund zum Thema

Mit etwas Vorwissen war mir vor dem Lesen Manches über die frühen Menschen bereits bekannt, wenn auch nur in losem Zusammenhang und mit schwammigen Datierungen. Es hatte verschiedene biologische Vorstufen der menschlichen Art gegeben, zudem den Neandertaler, der sich parallel zum Homo sapiens entwickelt hatte, aber irgendwann ausgestorben war. Aus Museen und Büchern waren mir Fundstücke von zugehauenen Steinwerkzeugen, Fellen, Behausungen und geschnitzten Figuren aus Mammutelfenbein bekannt und Bilder von zotteligen Jägern und Sammlern, die um ein Feuer sitzen und Fleisch braten oder gemeinsam ein Mammut jagen udn ausnehmen. Als Kind hatte ich einmal eine Ausstellung mit dem Titel “10 Millionen Jahre Mensch” gesehen, das war vor ca. 15 Jahren. Inzwischen hatte ich von anderen Zahlen gehört, die variierten. Manche sprachen seit der Zeit von vor 2 Mio. Jahren von Menschen, manche gingen weiter zurück, andere in die entgegengesetzte Richtung. Die Wiege des Menschen, seine Herkunft, liege in Ostafrika, von wo aus er sich über Arabien nach Europa und Asien und von dort weiter in die ganze Welt verbreitet habe.

 

In Tübingen lernte ich in den letzten Jahren die eiszeitlichen Figuren aus Mammutelfenbein kennen. Sie wurden in der Vogelherdhöhle auf der Schwäbischen Alb entdeckt, sind auf 32.000-40.000 Jahre vor unserer Zeit datiert und gelten als älteste erhaltene Kunstwerke der Menschheit. In einem tiefschwarzen, dunklen Raum werden diese Figuren in einem Kreis aus punktuell beleuchteten kleinen Glasschaukästen in ein warmes Licht getaucht. Man schreitet ihren Kreis ab, wo sie in der Dunkelheit wie Sterne aufleuchten, die aus der Zeit fallen. Sie sind winzig, haben gerade einmal die Größe eines kleinen Daumens, sind filigran und realistisch ausgearbeitet und dabei unglaublich schön. Als ich sie das erste Mal sah, bekam ich eine Gänsehaut. Es war das erste Mal, dass ich eine Verbindung zu Menschen spüren konnte, deren Existenz von meiner durch Zehntausende Jahre getrennt war und die etwas geschaffen hatten, was nicht einfach nur ein Gegenstand ist, sondern ein ganzes Weltbild verkörpert, eine geistig-lebendige Innenwelt und einen Impuls zu deren kreativer Veräußerung.  Diese Erfahrung hat die Frage nach der Menschwerdung und dem Menschsein in einem Sinne, der über mich und mein Leben in der heutigen Welt hinausgeht, relevant gemacht. Ich war unglaublich fasziniert.

Diese Faszination wurde wiedergeweckt, als ich im Ethnologiestudium an der Universität Tübingen von Forschungen über moderne Jäger- und Sammlergesellschaften hörte und las. Von der Zeit der Entstehung des Fachs, als die Theorie des Evolutionismus vorherrschend war, die den Jägern und Sammlern die unterste Stufe in einem Entwicklungsparadigma zuordneten und sie als Fenster in die eigene Vergangenheit betrachteten, worauf die landwirtschaftlichen Gesellschaften folgten und die modernen Industriegesellschaften schließlich als die am fortschrittlichsten entwickelten Kulturen galten. Bis hin zur aktuellen Forschung, die dieses hierarchische Entwicklungsparadigma verworfen hat und heutige Jäger- und Sammlergesellschaften stattdessen als Teil der Vielfalt der modernen Welt betrachtet. Wie wir an Hararis Buch noch sehen werden, ist es problematisch, heutige Jäger und Sammler mit unseren gemeinsamen Urahnen zu vergleichen. Ich habe sie nur deshalb erwähnt, weil wir Menschen, wie wir auch noch sehen werden, (noch immer) biologisch auf ein Leben als Jäger und Sammler eingestellt sind und sich daraus interessante Rückschlüsse auf unser heutiges Verhalten ergeben. Dazu aber in folgenden Posts mehr. Nachdem ich nun kurz meinen Hintergrund zum Thema menschliche Evolution gegeben habe, steigen wir endlich ein in Teil 1 von Hararis Buch, wo mich Einiges ziemlich überrascht hat! Vielleicht geht es euch ja genauso…

 

Quelle:
Harari, Yuval Noah (2015): Eine kurze Geschichte der Menschheit. München: Pantheon.

 

Des Problems unerwartet spontane Lösung

Auf meinem Plan stand ja auch der Punkt Sport machen. Dafür habe ich nun spontan eine wunderbare Lösung gefunden, nachdem ich es am Wochenende ausprobiert habe: Ich gärtnere einfach! Dafür beginnt ja nun sowieso die Jahreszeit. Plus man kann es den ganzen Sommer durch bis in den Herbst weitermachen. Wenn im Sommer die Arbeit etwas weniger wird und man darauf wartet, dass die Früchte reifen, kann man sich die Zeit ja immer noch mit Joggen und Schwimmen vertreiben.

Wer sich fragt, wo man auf die Schnelle einen Garten herbekommt: In vielen Städten gibt es Gemeinschaftsgärten und Urban Gardening Projekte, die für jedermann und jedefrau zugänglich sind und durch die man schnell nette Leute kennenlernt, mit denen man organisiert, wer sich um was kümmert, bzw. schaut, wie man selbst sich einbringen möchte. Auch Permakultur ist ein Stichwort, nach dem man suchen kann. Das Internet ist hier wie immer ein treffsicherer Ansprechpartner.